Gymnasium Marienschule

Eine-Welt-Arbeit am Gymnasium Marienschule Hildesheim

Die weltweite Vernetzung des Ursulinenordens, der die Schule bis 1996 führte, hat schon früh den Blick über den Tellerrand hinaus geschärft: Viele Abiturientinnen sind nach der Schulzeit ins Ausland gegangen, um dort caritativ tätig zu sein. Nicht wenige haben nach ihrer Rückkehr in der Schule über ihre Erfahrungen berichtet und so andere Schülerinnen zu einem ähnlichen Aufenthalt zu motiviert, sei es in Bolivien, dem Partner des Bistums Hildesheim, oder in einem Land Afrikas.

Insgesamt nehmen wir in der Wahrnehmung der Belange der Einen Welt bei Schülerinnen und Schülern widersprüchliche Tendenzen war. Obwohl die Informationsmöglichkeiten noch nie so vielfältig waren wie in der Gegenwart, obwohl diese Informationen quasi auf Knopfdruck oder Mausklick vorliegen, ist das Bewusstsein für globale Zusammenhänge nicht unbedingt gewachsen. Es ist dagegen überhaupt kein Problem, Spenden für caritative Zwecke in der Stadt Hildesheim zu bekommen, seien es der Gute Hirt, die Malteser oder neuerdings auch die Vinzenz-Pforte. Die Vermutung liegt nahe, dass dies Verhalten mit der örtlichen Nähe der genannten Initiativen zusammenhängt: Die Not vor Ort wird trotz der digitalen Vernetzungsmöglichkeiten schneller und unmittelbarer wahrgenommen als Hilfsbedürftigkeit in Übersee.

Regelmäßig haben wir durch die Möglichkeiten des Bistums Hildesheim Gäste entweder aus Lateinamerika oder Afrika bei uns zu Gast. Sie berichten authentisch über ihre Arbeit, sprechen offen die politischen Verhältnisse in ihren Heimatländern an und vermitteln so den Schülerinnen und Schülern ein authentisches Bild über das Leben in ihrer Region.
Mit zwei Ländern sind wir seit etlichen Jahren über Schulpartnerschaften verbunden: In Kamerun das St Francis Comprehensive College, Shisong, in Bolivien das Colegio san Juanillo in Sucre. Über das Schuljahr verteilt werden Spenden für diese Einrichtungen gesammelt, ganz klassisch bei Basaren oder öffentlichkeitswirksamen Schulveranstaltungen.
Da sich nachhaltige Hilfe für Bedürftige, ob nun für Projekte vor Ort oder im außereuropäischen Ausland bestimmt, nicht im Spendensammeln beschränken darf, arbeiten wir seit einiger Zeit auf mehrere zusätzlichen Ebenen: Eine Schülerinitative bringt, unterstützt durch eine Lehrerin, den Gedanken des fairen Handels voran, indem sie entsprechend gehandelte Produkte anbietet: Süßigkeiten und Snacks für die Schülerschaft, zusätzlich Kaffee, Tee und Wein für das Kollegium. Der Name „MaryFair“ ist Programm und hat sich mittlerweile auch bei den Eltern herumgesprochen. Bei etlichen Schulveranstaltungen ist MaryFair mit einem eigenen Stand vertreten und macht so auch bei Eltern und Gästen auf seine Arbeit aufmerksam. Die Aktivitäten beschränken sich nicht nur auf den Verkauf, immer liegen Handzettel und Infomaterialien aus, um auf die grundlegende Bedeutung des fairen Handels für die Eine Welt hinzuweisen. Kleine Schritte waren und sind es, aber immerhin: in der Cafeteria der Schule gibt es seit Herbst 2016 HotDogs nunmehr aus Biofleisch, im Bischöflichen Generalvikariat wurde in der vorösterlichen Zeit im Rahmen einer besonderen Aktion fair gehandelter Kaffee oder Tee ausgeschenkt, Müsli-Variationen angeboten oder Süßigkeiten vorgestellt. Die Idee der Nachhaltigkeit wird im Unterricht nicht nur theoretisch vermittelt. Im Wahlpflichtbereich der Mittelstufe läuft gerade ein pfiffiges Upcycling-Projekt: Aus alten Plastikflaschen, im Optimalfall pfandfrei, soll ein Gewächshaus in den Maßen 2×2 Meter entstehen. Neben dem Bastelspaß kann so – besser als jeder Lehrervortrag oder Lehrfilm es könnte – auf das Problem des Wegwerk-Konsums und der von ihm ausgehenden Gefahr für unsere Welt aufmerksam gemacht werden.

Eine andere Idee wird mit dem sog. Hildesheimer Wohlfühlmorgen verfolgt: Schüler, Eltern, Lehrer veranstalten Anfang November in enger Zusammenarbeit mit außerschulischen Organisationen und Institutionen einen Vormittag für die Bedürftigen der Stadt: Sie dürfen sich bei einem reichhaltigen Frühstück bedienen lassen, können Wäsche tauschen, duschen oder ärztliche Behandlung kostenlos in Anspruch nehmen; selbstverständlich werden auch die Hunde versorgt. Wer mag, kann sich in Ruhe aussprechen oder nach weiterer Hilfe nachfragen.
Klaus Neumann, im Dezember 2017

Gymnasium Marienschule Hildesheim
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